Timeout · Krisenintervention · Langzeitbetreuung · Sozialpädagogische Familienbegleitung · Beobachtungsaufenthalte · Schule 
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Timeout

Der englische Begriff „Timeout“ kommt aus dem Sport und bedeutet „Auszeit“. Gemäss Definition kehren die Akteure nach einem Timeout wieder auf das Spielfeld zurück. Meist wird während dieser Auszeit die Taktik verändert oder ergänzt bzw. an neue Begebenheiten angepasst.

In der pädagogischen Arbeit bedeutet der Begriff Timeout eine erzieherische, zeitlich beschränkte Massnahme, welche eine Auszeit von Alltag und Umfeld ermöglicht und damit Distanz schafft. Im Unterschied zu einer herkömmlichen Krisenintervention ist aber von Anfang an klar, dass die Betroffenen nach einem Timeout wieder in ihr ursprüngliches Umfeld zurückkehren.

Die individuellen Zielsetzungen wie auch die Zeitdauer von Timeouts sind variabel. So kann zum Beispiel eine Entlastung des Umfelds bereits durch ein kurzes Timeout erreicht werden, wogegen Strukturveränderungen beim Umfeld oder Verhaltensveränderungen bei den Jugendlichen deutlich mehr Zeit erfordern und ausserdem abhängig sind von der Kooperationsbereitschaft der Umgebung. Aus diesem Grund unterscheidet TEAM-WERK zwischen zwei Arten von Timeout:

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Kurz-Timeout: Ein solches dauert in der Regel zwei bis vier Wochen. Die Zielsetzungen in diesem Zeitraum sind beschränkt; im Vordergrund stehen beispielsweise Sanktionsmassnahmen, Entlastungen oder auch Cannabisabstinenz.

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Prozessorientiertes Timeout: Dieses ist nicht zeitlich gebunden, dauert aber in der Regel fünf Monate. Hier besteht die Absicht, bei den Betroffenen – begleitet und unterstützt durch TEAM-WERK – einen Veränderungsprozess in Gang zu bringen.

Ein Timeout wird durch Schul-, Vormundschafts-, Strafrechts-, Sozialbehörden oder Heime – meis-tens in Zusammenarbeit mit den Eltern – angeordnet. Jugendliche können durch ein Timeout erstmals von ihrem familiären Umfeld getrennt werden. Eine Auszeit dieser Art stellt daher für alle Beteiligten eine einschneidende Veränderung dar. Transparenz, Sorgfalt und überlegtes Handeln sind deshalb unabdingbare Voraussetzungen im Umgang mit dem Interventionsmittel Timeout.

Die Indikationen für ein Timeout können unterschiedlicher Art sein. Im Allgemeinen sind die be-teiligten Personen mit der Ausgangssituation überfordert, sind aber mittel- und langfristig bereit, nicht aufzugeben. Zudem akzeptieren sie eine Intervention Dritter.

Das Timeout im Rahmen von TEAM-WERK besteht in einer Fremdplatzierung bei einer Pflegefami-lie. In jedem Fall werden sowohl die Pflegefamilie als auch der platzierte Klient, die Klientin durch eine professionelle Fachperson von TEAM-WERK eng begleitet und betreut. Die pädagogischen Entscheide (z.B. Regeln, Sanktionen) obliegen nicht der Pflegefamilie, sondern der zuständigen Fachperson.

In der Regel platziert TEAM-WERK einen Jugendlichen im Rahmen eines Timeouts in einem ande-ren Landesteil, um die Distanz zum herkömmlichen Umfeld auch räumlich zu unterstreichen. Viele Pflegefamilien sind in der Landwirtschaft tätig; für die meisten Klienten stellt die Platzierung auf einem Bauernhof einen Wechsel in eine nicht oder kaum bekannte Kultur dar. Die neue Situation ermöglicht es ihnen, sich neu zu erfahren und in einem neutralen Umfeld neue Verhaltensweisen einzuüben.

Ob und in welcher Form Schulunterricht während des Timeouts stattfinden soll, wird jeweils indi-viduell geklärt. Der Besuch einer öffentlichen Schule ist im Rahmen eines Timeouts in der Regel nicht möglich. Schulischer Unterricht kann aber in Form von Fernunterricht durch die Herkunfts-schule in der Pflegefamilie stattfinden. Eine Beschulung vor Ort respektive der Besuch der Polygon-Schule erfordern eine zusätzliche Kostengutsprache (siehe Kostenreglement).
 

Kurz-Timeout

Ein Kurz-Timeout ist als Instrument in einem bereits laufenden Prozess anzusehen; es kann einen solchen aber nicht ersetzen. Ein Kurz-Timeout führt für sich allein nicht zu einer nachhaltigen Veränderung; aus diesem Grund müssen sich alle Beteiligten vor Augen halten, dass nach einem Kurz-Timeout weiterhin seriös an Veränderungen gearbeitet werden muss. In den üblichen zwei bis vier Wochen eines Kurz-Timeouts können keine komplexen Zielsetzungen verfolgt werden.

Die drei üblichen Kurz-Timeouts sind:

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Straf-Timeout: Damit soll ein klares Zeichen gesetzt und eine Konsequenz spürbar gemacht werden.

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Entlastungs-Timeout: Der platzierten Person und/oder dem Herkunftsumfeld sollen Distanz, Ruhe und Entlastung ermöglicht werden.

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Abstinenz-Timeout: Die platzierte Person soll während der Dauer des Timeouts keine Drogen (Cannabis) konsumieren.

Ein Kurz-Timeout kann mehrere der oben genannten Ziele gleichzeitig verfolgen.
 

Prozessorientiertes Timeout

Mit einem Prozessorientiertem Timeout soll eine nachhaltige Veränderung bei der betroffenen Person (Klient oder Klientin) und deren Umfeld (Familie) initiiert, eingeübt und verfestigt werden. Diese Ziele werden im Rahmen der sozialpädagogischen Arbeit auf den Ebenen des Handelns (Verhaltensmuster), der Kommunikation, der (Erziehungs-) Haltung und der Struktur (Regeln, Organisation) verfolgt. Der Klient soll sich nach dem Timeout im Herkunftsumfeld mit Unterstützung der beteiligten Personen so verhalten können, dass er sein Umfeld und das Umfeld ihn nicht mehr überfordern.

Am Anfang eines Prozessorientierten Timeouts steht normalerweise eine Krise. Aus diesem Grund wird – nach einem Vorgespräch – eine rasche Aufnahme angestrebt. Eine erste Platzierungsphase dient der Beruhigung der Situation sowie der Orientierung.

Das Indikationsgespräch:

Das für den Veränderungsprozess wesentliche Indikationsgespräch findet nach ca. 4 Wochen Orientierungsphase statt. Es bietet unter Beizug aller beteiligten Personen die Möglichkeit, das gewählte Interventionsmittel bezüglich der Zielsetzungen aber auch der vorhandenen Ressourcen zu überprüfen und/oder allenfalls alternative Interventionsmöglichkeiten zu evaluieren.

Dabei wird die Problemsicht aller Betroffenen erhoben sowie eine mögliche Problemdefinition erstellt und Ziele formuliert. Nach dem Gespräch wird von TEAM-WERK eine Einschätzung bezüglich Indikation für oder gegen das Prozessorientierte Timeout abgegeben.

Da die Klienten während des Prozessorientierten Timeouts meist nicht beschult werden (Ausnahmen: Polygonschule, Aufgabenzeiten in Pflegefamilie oder Fernunterricht durch Herkunftsschule) sind die schulischen Fragen zentral. Deshalb ist die Teilnahme der Schule am Indikationsgespräch wichtig, ebenso wie eine klare Stellungnahme der Schule zu Problemverhalten, Auffälligkeiten, grundsätzlicher Möglichkeit einer Rückkehr in die Schule, Auflagen der Schule für eine Rückkehr und die Form der Beschulung während des Timeouts (z.B. Fernunterricht). Die Stellungnahme der Schule wird schriftlich eingeholt. Die Schule ist aber dringend gebeten, sowohl am Vorgespräch wie auch am Indikationsgespräch teilzunehmen.

Im Indikationsgespräch wird auch die Kooperation aller Beteiligten angestrebt, damit während eines Timeouts alle ‚an einem Strick in dieselbe Richtung‘ ziehen. Gerade bei einem Prozessorientierten Timeout bilden eine breit abgestützte Problemdefinition sowie die Bereitschaft des Systems, sich auf Veränderungen einzulassen, eine zentrale Ressource für einen erfolgreichen Verlauf. Die Verantwortung dafür muss von allen Beteiligten mitgetragen werden und liegt nicht primär beim Klienten.

Die Struktur des Prozessorientierten Timeouts:

Das Vorgespräch:
Eltern
Klient
Einweiser
Klassenlehrperson
TEAM-WERK
sonstige wichtige Bezugspersonen
· Erfassung der Problemsymptomatik in den verschiedenen Lebensbe-reichen des betreffenden Jugendlichen (Schule, Elternhaus, Freizeit, Persönlichkeit, Heimsituation).
· Gemeinsame Problemdefinition.
· Aufzeigen der bisherigen Interventionen in den verschiedenen System-bereichen.
· Rechtliche Verhältnisse.
· Stellungnahme der Schule (allenfalls des Lehrbetriebes).
· Auftragsklärung und Zielformulierung für die 1. Phase (Orientierung).
· Termin für das Indikationsgespräch.
     
1. Phase:   Orientierung
Aufnahme (Abgabe eines Fragekatalogs an die Eltern und den Klienten), Distanz zum Umfeld, Beruhigung der Situation, die Eltern und der Klient bearbeiten den Fragenkatalog. Erster Aufenthalt zu Hause nach 3 – 5 Wochen. Vorgängig werden die Regeln für dieses erste Wochenende erarbeitet.
     
Das Indikationsgespräch:
Eltern
Klient
Einweiser
Klassenlehrperson
TEAM-WERK
sonstige wichtige Bezugspersonen
· Rückblick auf den bisherigen Verlauf.
· Motivationsklärung bezüglich dem Prozessorientierten Timeout.
· Veränderungspotential des Klienten (Fähigkeiten, Möglichkeiten, Wille etc.); zu beachten ist, dass Freiwilligkeit keine Voraussetzung für ein Prozessorientiertes Timeout darstellt.
· Veränderungspotential der Herkunftssysteme (Eltern, Schule, Lehrbetrieb, Heim etc.).
· Formulierung der Zielsetzungen und Erwartungen resp. deren Verhältnismässigkeit zum Veränderungspotential von Klient und Herkunftssystem und gemeinsame Zieldefinition.
· Erörtern von Schutz- und Risikofaktoren nach dem Prozessorientierten Timeout.
· Blick in die Zukunft: Best-Case und Worst-Case – Szenarien und deren Konsequenzen.
     
2. Phase:   Die Erziehungssituation zuhause wird analysiert und wo nötig weiterentwickelt. Die Aufenthaltszeiten zu Hause werden erweitert z.B. über 14-tägliche Urlaubswochenden oder verlängerte Wochenenden (sofern die Struktur und die Elternpräsenz dies zulassen).
     
3. Phase:   Die Wochenenden  zuhause werden intensiviert (wöchentliche Urlaube). Es wird prozessorientiert an den sich verändernden Gegebenheiten mit den Eltern und dem Klienten gearbeitet.
     
4. Phase:   Probewohnen zu Hause von 2 – 3 Wochen Dauer. Evtl. aufbauend (1 x 1 Woche, 1 x 2 Wochen oder mehr). Dies muss vor der definitiven Rückkehr nach Hause stattgefunden haben. Voraussetzung für das Probewohnen ist eine Tagesstruktur (Schule, Schnupperlehre etc.).
Ferien sind in dieser Phase zwar möglich, sollen aber ebenfalls strukturiert stattfinden (z.B. Ferienlager oder Ferien zusammen mit der Familie).
Es wird eine Standortbestimmung durchgeführt. Dabei wird von Seiten TEAM-WERK eine klare und differenzierte Einschätzung bezüglich Zielerreichung und allfälliger Neuorientierung abgegeben.
     
5. Phase:   Nachbetreuung. Wir empfehlen eine durch TEAM-WERK oder einen anderen Anbieter durchgeführte, zeitlich begrenzte Nachbetreuung.
     



Heim-Timeout


Das Heim-Timeout ist ein Interventionsmittel für Heime. In den meisten Fällen wird es dazu benutzt, dass Jugendliche Abstand gewinnen können, um Ihre Situation zu überdenken, um dem Jugendlichen oder dem Heim eine Pause zu ermöglichen, oder als Konsequenz auf regelwidriges Verhalten. Diese Formen des Timeouts beschränken sich in der Regel auf zwei bis drei Wochen. (Siehe dazu auch das Timeout-Konzept). Längere Heim-Timeouts sind auch möglich. Bei längeren Timeouts erweitert sich der Sinn und Zweck des Timeouts auf einen nachhaltigen Veränderungsprozess analog dem  Prozessorientierten Timeout. Bei dieser Timeout-Form ist der Kontakt und somit der gemeinsame Prozess mit dem Umfeld (Heim und Eltern) von zentraler Bedeutung.

Im Heim-Timeout beschränkt sich im Gegensatz zu anderen Platzierungsformen von TEAM-WERK die Aufgabe unserer Fachperson auf das Zusammenleben des Jugendlichen in der Pflegefamilie, das Verfolgen allfälliger Zielsetzungen, und den Kontakt mit dem Heim. Elternarbeit, Kontakte mit einweisenden Stellen und weiteren Drittpersonen obliegen dem Heim.

Verändert sich der Auftrag/Zweck des ursprünglichen Heim-Timeouts in eine Überbrückungsplatzierung oder andere Platzierungsform von TEAM-WERK, d.h. kehrt der Klient / die Klientin nicht mehr ins Heim zurück oder übernimmt TEAM-WERK zusätzliche Aufgaben (z.B. im Rahmen eines Prozessorientierten Timeouts), so gilt ab diesem Zeitpunkt nicht mehr der Heim-Timeout-Tarif sondern der entsprechende Tarif dieses TEAM-WERK Angebots.

 
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9. Mai 2012   © Copyright TEAM-WERK Ambulante und stationäre Jugendbetreuung AG, Schweiz