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Langzeitplatzierung
(in der Pflegefamilie oder im begleiteten Wohnen)
Grundlage des Langzeitkonzepts ist das Rahmenkonzept.
Indikationen
Zielgruppe
Das Angebot von Team-Werk richtet sich an verhaltensaufällige Jugendliche und junge Erwachsene ab 12 Jahren,
die nicht mehr in ihrem ursprünglichen Lebensumfeld erzieherisch betreut und unterstützt werden können und
für die ein kleiner, überschaubarer und familiärer Rahmen angezeigt ist. Die männlichen und weiblichen Jugendlichen
müssen ein spürbares Mass an Beziehungsfähigkeit besitzen und in der Regel ein Minimum an Kooperationsbereit-schaft
zeigen. Der Aufenthalt lässt sich allenfalls kombinieren mit einem Besuch der eigenen Polygon-Schule.
Indikationen
Die Indikationen beinhalten mittlere bis starke Verhaltensauffälligkeiten, die auf erzieherische, familiäre,
kulturelle oder medizinische (ADS) Ursachen zurückzuführen sind. Der Bedarf wird vorgängig durch die einweisenden Stelle abgeklärt.
Kontraindikationen
Unser Angebot ist nicht ausgerichtet auf mittel bis schwer geistig- oder körperbehinderte Jugendliche oder Jugendliche
mit einem psychiatrischen Krankheitsbild, welches eine vollumfängliche sozialpädagogische und psychologische Betreuung erfordert.
Jugendliche mit akuter Eigengefährdung und Jugendliche mit akuter oder latenter Fremdgefährdung (Gewalt, Pyromanie) sowie Jugendliche,
die einen suchttherapeutischen Rahmen benötigen, können nicht aufgenommen werden.
Grundlagen
Die Arbeit in Team-Werk basiert auf einer systemischen Grundhaltung. Wir betrachten die Klienten und
Klientinnen
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als Teil eines Systems, welches ähnlich einem Mobile funktioniert: Gerät ein Teil in Bewegung, schwingt das gesamte
Gebilde mit. Davon ausgehend schenken wir dem System die nötige Beachtung und sind bemüht, im Rahmen des Möglichen
alle beteiligten Personen in unsere pädagogische Arbeit mit einzubeziehen. Durch unsere Arbeit versuchen wir, das meist
aus der Balance geratene „Familien-Mobile“ ins Gleichgewicht zurück zu führen und positive Schwingungen zu fördern.
Im Vordergrund steht dabei die Stärkung der einzelnen Positionen.
Als fallbegleitende Fachpersonen sind wir ebenfalls Teil des Ganzen und wirken dadurch selber auf das System ein.
Deshalb müssen auch wir unsere Position und unsere Rolle zum Beispiel mittels regelmässiger Supervision und Intervision
immer wieder neu reflektieren.
Nebst den Jugendlichen erachten wir die Rolle der Eltern als zentral. Trotz der Fremdplatzierung wollen wir die Eltern
nicht aus ihrer Erziehungsverantwortung entlassen, sondern sie wenn immer möglich in Entscheidungsprozesse mit einbeziehen.
Die Förderung der elterlichen Ressourcen ist uns deshalb ein besonderes Anliegen, da die Eltern einen wichtigen Beitrag im
Hinblick auf die nachhaltige Entwicklung ihrer Kinder leisten können und wollen. In Entscheide, die – zeitlich oder örtlich –
über den Rahmen der Pflegeplatzierung hinaus gehen, werden die Eltern unbedingt miteinbezogen. Keine Entscheidungsbefugnis haben
sie im Zusammenhang mit internen Angelegenheiten der Pflegefamilie; wir wägen aber jeweils ab, ob – und inwieweit – wir die Mütter
und Väter auch in diesen Bereich einbeziehen wollen. Auch wenn uns der Erziehungsauftrag für die Dauer des Aufenthalts oft
von einer Behörde erteilt wird, ist es uns in jedem Fall wichtig, ein Vertrauensverhältnis zwischen Eltern und Team-Werk
zu schaffen – nicht zuletzt deshalb, um bei den Jugendlichen einen Loyalitätskonflikt zu vermeiden.
Unser Blickwinkel richtet sich insbesondere auch auf die Strukturen des Systems: Ein Ziel der systemischen Arbeit ist es,
klare Strukturen zu fördern. Dies beinhaltet auch die Auseinandersetzung mit Hierarchien, Regeln, Ritualen, Werten, Grenzen
und Verantwortlichkeiten. Ein wichtiger Grundsatz besteht ferner darin, in der Zusammenarbeit mit allen Beteiligten, Klarheit
über die jeweiligen Rollen zu schaffen und auf die entsprechenden Verantwortlichkeiten hinzuweisen. In der Kooperation mit den
Eltern kann es jedoch vorübergehend sinnvoll sein, elterliche Funktionen zu übernehmen, bis diese von den Eltern wieder selber
ausgeübt werden können. In diesem Sinne arbeiten wir, wenn immer möglich, auf eine Rückkehr des Jugendlichen nach Hause hin.
Die Methodik unseres Handelns richtet sich aus nach
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dem übergeordneten Konzept von Team-Werk |
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dem individuellen Bedarf unserer Klientinnen und Klienten
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dem Kontext (Pflegefamilie, Umfeld)
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Aufnahme- und Austrittsverfahren
Die einweisende Stelle nimmt telefonisch mit Team-Werk Kontakt auf und füllt unseren Platzierungsanfragebogen aus. Besteht
auf Grund der Angaben der einweisenden Stelle die Indikation einer Platzierung im TEAM-WERK, findet ein Vorgespräch mit
dem Klienten, den Eltern und der einweisenden Stelle statt. Im Zentrum des Vorgespräches stehen die Indikation der Platzierung
und das gegenseitige Kennenlernen. Auf Grund der Anamnese des Klienten, der momentane Situation, der besonderen Auffälligkeiten
und Ressourcen, sowie der Zielsetzungen und Erwartungen an die Platzierung, wird einerseits darüber entschieden, ob eine Platzierung
in Team-Werk sinnvoll ist und ob andererseits eine geeignete Pflegefamilie zur Verfügung steht. Ein Schnupperaufenthalt oder ein
vorgängiger Besuch in der Pflegefamilie ist möglich, sofern der Jugendliche eine Wahlmöglichkeit (z.B. zwischen Pflegefamilie und Heimplatz) hat.
Die Aufnahme findet auf der einweisenden Stelle statt. Die zuständige Person der einweisenden Stelle, der Klient und die Eltern
sind anwesend. Nach dem Aufnahmegespräch wird der Klient durch die zuständige Fachperson von TEAM-WERK in die Pflegefamilie
begleitet, wo das Eintrittsgespräch mit der Pflegefamilie stattfindet. Die Eltern und der Jugendliche erhalten bei der Aufnahme
ein Informationsblatt, welches unter anderem auch über den Beschwerdeweg orientiert.
Der Austritt wird mit allen Beteiligten im Voraus geplant. Die zuständige Fachperson führt zusammen mit der Pflegefamilie und
dem Klienten ein Austrittsgespräch durch und nach Bedarf findet zusätzlich ein Auswertungsgespräch bei der einweisenden Stelle statt.
Individueller Plan
Ausgehend von unserem übergeordneten Konzept wird für jeden Klienten, für jede Klientin ein
individueller Plan erarbeitet, der auf die jeweiligen Besonderheiten (Problemstellung, Platzie-rungsziele, Stand der aktuellen
Entwicklung, Betreuungsbedarf usw.) Rücksicht nimmt. Im Vordergrund steht dabei die Entwicklung der Jugendlichen auf dem Weg zum
Erwachsenwer-den, die Auseinandersetzung mit Fragen rund um die Pubertät, die Pflege von Beziehungen sowohl zur Familie als auch
zu Gleichaltrigen. Die Jugendlichen sollen lernen, für sich und ihre Zukunft Verantwortung zu übernehmen und sich auseinanderzusetzen
mit Themen wie z.B. Aggression und Gewalt, Motivation und Gesundheit. Wir wollen unseren Klientinnen und Klienten Erfolgserlebnisse
ermöglichen und ihnen zeigen, was es bedeutet, einander Respekt entgegen zu bringen.
Bei der langfristigen Platzierungen nehmen schulische und berufliche Fragen und Abklärungen einen breiten Raum ein:
Langfristige Ziele sind das Erreichen eines Schulabschlusses (intern oder extern), die Abklärung der beruflichen Neigungen
und Fähigkeiten und damit verbunden die Suche einer Lehrstelle oder einer anderen Anschlusslösung. Bei diesen Aufgaben werden –
je nach Bedarf – weitere Fachleute wie Berufsberater, Therapeuten usw. miteinbezogen.
Jugendliche mit Schulabschluss, die sich in einer Lehre befinden, wechseln im 2. oder 3. Lehr-jahr oft in ein begleitetes Wohnen,
wo sie für das selbstständige Leben nach der Ausbildung vorbereitet werden. Auch hier ist die Beziehungspflege zu den Eltern ein
wesentlicher Punkt unserer Arbeit.
Sozialpädagogischer Rahmen
In einem ersten Schritt sollen die Jugendlichen lernen, die von der Gemeinschaft gesetzten Grenzen zu respektieren,
Regeln einzuhalten und die Konsequenzen des eigenen Verhaltens zu tragen. Sie werden auf ihrem Weg professionell begleitet durch
die Sozialpädagog/-innen von Team-Werk, die auch in erster Linie verantwortlich sind für die Beziehungs- und Erziehungsarbeit
mit den Klientinnen und Klienten. Die Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen sind zudem erste Ansprechpartner/-innen im Kontakt
mit der jeweiligen Pflege- und Herkunftsfamilie; sie sind es auch, die den – auf den einzelnen Jugendlichen zugeschnittenen –
individuellen Plan entwickeln und dies in wöchentlichen Gesprächen zusammen mit den Pflegefamilien umsetzen und evaluieren.
Die Rolle der Pflegefamilie besteht zuallererst in der Abdeckung der Grundbedürfnisse Wohnen und Essen; sie bietet zudem einen
stabilen Beziehungsrahmen und – bei land-wirtschaftlichen Betrieben – eine Tagesstruktur. Die Pflegefamilie ist auch ein Ort
erzieherischer Auseinandersetzungen. Zwischen Pflegefamilie und sozialpädagogischer Fachperson besteht ein regelmässiger Informationsaustausch.
Die fachliche Federführung obliegt Team-Werk.
Jugendliche befinden sich in einer Phase der Verselbstständigung und Identitätsfindung. Der Aufenthalt in Team-Werk
dauert im Normalfall ein bis drei Jahre. Die Pflegefamilie bietet dem Jugendlichen eine warme, wohlwollende und klare Beziehung an,
die diesem hilft, sich ange-nommen und respektiert zu fühlen, Grenzen zu erfahren und Vertrauen aufzubauen.
Bindung
Wir unterscheiden zwischen zwei verschiedenen langfristigen Platzierungsarten: Platzierungen von jüngeren Jugendlichen
(12 bis ca. 16 Jahre) und von älteren Jugendlichen (ab ca. 16 Jah-re). Die Jüngeren haben – ihrem Alter entsprechend – ein anderes
Bedürfnis nach Bindung als Ältere. Aus diesem Grund achten wir bei langfristigen Platzierungen von jüngeren Jugendlichen besonders darauf,
dass diesem Bedürfnis Rechnung getragen werden kann. In diesem Sinne unterstützen und beraten wir die Pflegeeltern. Bereits bei der Auswahl
der Pflegefamilie und anschliessend bei der Vorbereitung der Platzierung sowie während der ganzen Aufenthaltsdauer arbeiten wir darauf hin,
dass möglichst keine Abbrüche bzw. Umplatzierungen erfolgen. Die Beziehung zu den Pflegeeltern konkurrenziert allerdings nicht das Verhältnis
der Kinder zu ihren Eltern; vielmehr wird die Beziehung zwischen Eltern und Kindern durch Team-Werk grundsätzlich gefördert.
Beziehung
Gemäss unserem Konzept messen wir insbesondere bei Langzeitbetreuungen der Kontinuität und Konstanz
in der Beziehung einen besonderen Stellenwert zu. Viele unserer langfristigen Klienten hatten in
der Vergangenheit nicht die Möglichkeit, die nötige Beziehungsstabilität zu erfahren.
So entwickelten sie entsprechende Auffälligkeiten, welche besonders auch die Bildung und das
Aufrechterhalten von Beziehungen erschwerte. Wir gehen dieses Problem bewusst an und ermöglichen
unseren Klienten, mit den Fachpersonen langfristige, tragfähige und entwicklungsfähige Beziehungen
zu einzugehen. Möglich ist dies im TEAM-WERK auf Grund der Fachlichkeit und der Stabilität unserer
Mitarbeiter, der bewussten Gewichtung dieses Themas und der Möglichkeit, dass Jugendliche
innerhalb von TEAM-WERK trotz Grenzen sprengen und erzwungenen Abbrüchen in einer Pflegefamilie
nicht unbedingt zur Verfügung gestellt werden müssen. So steht bei langfristigen Platzierungen
von Jugendlichen, die im Teenage-Alter eingetreten sind, nicht die Beziehung zu der Pflegefamilie
im Vordergrund, sondern die Beziehung zu der jeweiligen Fachperson. Ein Abbruch in einer Pflegefamilie
und der Wechsel in eine neue Pflegefamilie (geplant oder wegen einer Krise) ändert nichts an der Beziehung
zur Fachperson. Das heisst, dass das fachliche Wissen der Fachperson und die Kontinuität der Beziehung
trotz Krise erhalten bleiben und auf dem Bestehenden weiter aufgebaut werden kann. Jugendliche haben
dadurch die Chance, Konsistenz und Zuverlässigkeit zu erfahren. Das Erlebnis, dass trotz massivem
Fehlverhalten an einem Ort die Bereitschaft doch gegeben ist, weiter zu arbeiten, ist von zentraler Bedeutung.
Arbeitsstruktur der Fachperson
Über die Betreuung der Jugendlichen wird ein Journal geführt. Die Dossiers werden jeweils mit der Erziehungsleitung von
Team-Werk besprochen. Alle drei bis sechs Monate findet mit allen Beteiligten eine Standortsitzung statt. Auf Wunsch wird
ein Bericht verfasst. Die fallführenden Sozialpädagogen von Team-Werk pflegen einen regelmässigen fachlichen Austausch in der
Intervision und Supervision. Persönliche Kontakte zwischen den Sozialpädagogen und den Klienten finden normalerweise wöchentlich
statt. Weitere Fachpersonen werden nach Bedarf zugezogen (Arzt, Psychiater, Psychologe, Berufsberater etc.).
[1]
Zugunsten der einfacheren Lesbarkeit wird im Text nicht immer die männliche und weibliche Form verwendet.
Selbstverständlich sind auch beim Gebrauch von nur einer Form immer beide Geschlechter gemeint.
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Konzepte:
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Prozessorientiertes Timeout
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